Alles ist möglich – B.G. Thomas

Austin kommt nach Kansas City um seinen Freund Todd zu suchen, der ihre Heimatstadt Hals über Kopf verlassen hat. Doch Todd ist einfach spurlos verschwunden und Austin kommt bei dem Bruder seiner Großmutter unter. Der alte Herr erweist sich als wunderbar verständig, tolerant und freundlich. Austin hat großes Glück mit Bodie und kommt sehr gut mit dem alten Mann zurecht, der der miefigen Kleinstadt schon vor Jahrzehnten den Rücken gekehrt hat.

Durch Bodie lernt Austin aber auch Guy kennen, der im gleichen Wohnkomplex lebt. Guy ist gutaussehend, charmant und Theaterregisseur an einem kleinen, aber feinen Theater. Er bringt Austin mit seinen Freunden, Schauspielern und Leuten vom Theater zusammen. Für das Landei tut sich eine völlig neue und exotische Welt auf, deren Spielregeln er erst begreifen muss. Doch neben all den neuen Eindrücken muss er sich auch Guy und den ambivalenten Gefühlen ihm gegenüber stellen. Guy scheint interessiert, doch Austin liebt noch immer Todd. Oder doch nicht? Und wo ist Todd?

Die Suche nach Todd und Austins Gefühle für seinen Jugendfreund sind zu Beginn das zentrale Thema der Geschichte. Doch im Laufe der Zeit lernt Austin Guy immer besser kennen und beginnt seine eigenen Gefühle immer mehr zu hinterfragen. Er versucht zu ergründen was ihn zu Guy hinzieht und was ihn eigentlich mit Todd verbindet. Obwohl Kansas City bestimmt nicht die weltoffenste Stadt ist, so ist Austin von all den Möglichkeiten und Chancen überwältigt. An die Offenheit, die sein Onkel, Guy und dessen Freunde an den Tag legen, muss Austin erst klar kommen.

Und hier liegt für mich auch eine gewisse Schwäche der Geschichte. Austin ist nicht unsympathisch, aber furchtbar naiv und grauenvoll hinterwäldlerisch. Es mag schon sein, dass er aus der Provinz kommt, wo man noch nach anderen Regeln lebt. Aber in Zeiten des Internets erwarte ich mir von einem halbwegs intelligenten Menschen, dass er seine Neugierde in den neuen Medien befriedigt. Austin ist jedoch wirklich ziemlich unbedarft und so kommt es immer wieder zu seltsamen, manchmal auch aberwitzigen Situationen.

Sein Onkel Bodie hingegen ist Zucker und er toppt alles. Obwohl er nur ein Nebenakteur ist, gefiel mir seine Figur und vor allem seine Geschichte wahnsinnig gut. Es wäre großartig, wenn B.G. Thomas auch Bodies Geschichte erzählen würde. Ebenso sympathisch und liebenswürdig empfand ich Guy, der sich vom ersten Augenblick an in Austin verliebt hat. Und Guys Verhalten war für mich auch nachvollziehbar und verständlich. Wer will schon die zweite Wahl sein? Seine Reaktionen waren für Austin vielleicht schmerzlich, doch Guy hat auch für sich einen Sicherheitsgrenze gezogen.

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