Eine Randbemerkung – Isabelle Rowan

John McCann nimmt sich auf Anraten seines Arztes eine Auszeit. Ein Jahr geht er von seiner geregelten Arbeit fort und übernimmt einen kleinen Buchladen. Dort arbeitet auch Jamie, der Sohn der Vorbesitzerin. Mit ihm versteht sich John sehr gut, doch sie werden nur gute Freunde. Mehr wird nicht. Doch es gibt einen stillen Gast in dem Buchladen, den John erst lieber entfernen würde.

Dabei handelt es sich um den Obdachlosen David, der sich tagsüber immer im Secondhand Bereich des Ladens verbirgt und dort liest. David sagt nicht viel und ist sehr scheu. John will ihn loswerden, doch dann überlegt er es sich anders. Vor allem weil David wirklich niemanden was tut oder belästigt und Jamie John klar macht wie übel David eigentlich dran ist. David schämt sich. Für alles. Für seine Obdachlosigkeit, für seine Unfähigkeit ins Sozialleben zurückzukehren, für seine Methode an Geld zu kommen. Johns Freundlichkeit kann er erst gar nicht fassen und David versucht immer wieder zu verschwinden. Das Leben auf der Strasse; unter menschenunwürdigen Umständen haben ihn tief geprägt und verängstigt.

Eine Randbemerkung ist ein sehr stilles und doch kraftvolles Buch. Ich musste Johns Willen und Durchhaltewillen bewundern. David versucht sich immer wieder zu verstecken und läuft fort. Der Mann ist zutiefst verängstigt und unsicher; Zweifel sind ständig Gast in seinem Kopf. Zwar spricht David nicht viel, doch er denkt wahnsinnig viel nach. Und diese Gedanken entgleisen ihm oft. Für John ist es sehr schwer das Vertrauen und schliesslich auch seine Liebe zu gewinnen.

Ein Jahr wollte John sich von seinem alten Job verabschieden. Doch dieses Jahr wird sein Leben verändern, seine Erwartungen an das Leben in Frage stellen und ihn selbst zu einen anderen Menschen machen. David und John sind ein wunderbares Paar, jenseits der Jugend. Sie kämpfen beide um dieses gemeinsame Leben, das möglich scheint und doch ein beständiger Kampf und Arbeit sind. Isabelle Rowan hat eine großartige Geschichte geschrieben, die sehr berührend, dramatisch und nachdenklich ist. Allerdings fehlt mir ein wenig Aufklärung. Natürlich – Stück für Stück lernt man David besser kennen und erfährt von seiner Vergangenheit, seinem früheren Leben. Die alles entscheidende Frage wurde für mich jedoch nicht beantwortet.

Doch am Ende gibt es zwar ein Happy End, doch Fragen bleiben offen. Deswegen ziehe ich einen Stern ab, weil mir die Geschichte zwar sehr gut gefallen hat, jedoch nicht alle Fäden zusammengeführt wurden.

Eine weitere Rezension zu diesem Buch findet sich bei Laberladen.

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