For Real – Alexis Hall

Laurence Dalziel ist noch nicht einmal vierzig Jahre alt und schon allem überdrüssig. Von der BDSM Szene hält er sich nach der Trennung von seinem langjährigen Lebensgefährten Robert fern, seinen Job als Notfallsmediziner übt er gewissenhaft aber ohne Begeisterung aus. Generell ist er gestresst, frustriert und einsilbig. Seine Freunde machen sich Sorgen um ihn, kommen aber nur schwer an ihn heran. In einem Club – den er eigentlich meidet – lernt er dann Toby Finch kennen. Toby ist jung – verdammt jung. Und er ist ein Dom. Unerfahren und (noch) ohne Finesse – aber er ist zweifelsfrei ein Dom.

Obwohl Toby jetzt über keine überragende Ausstrahlung oder Attraktivität verfügt, ist Laurence fasziniert. Und diese Faszination ist durchaus gegenseitig, denn Toby hat in  Laurie sofort einen erfahrenen Sub erkannt. Und obwohl Laurence seine miese Stimmung gern weiter hegen und pflegen würde, nimmt er Toby zu sich nach Hause. Der junge Mann hat etwas an sich, das Laurence schon vor vielen Jahren verloren hat. Doch der Altersunterschied ist gewaltig und Laurence tut alle um Toby wieder zu vertreiben. Doch Toby ist energisch und scheint einen langen Atem zu haben.

Alexis Halls Buch habe ich auf Empfehlung hin gelesen. Bei BDSM bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Doch diese Geschichte hat mich sehr überrascht. Die Sprache ist für mich etwas anspruchsvoller gewesen, doch durchaus verständlich. Hall schreibt sehr unterhaltsam und schnörkellos; verzichtet darauf die Protagonisten zu glatt zu bügeln. Will heissen: Sie sind Normalos, mit Ecken, Kanten und Macken. Sie sind weder besonders schön, erfolgreich oder gar unanständig reich.

Vor allem Laurence ist eine Herausforderung: Mr. Grantig und Abweisend. Natürlich ist der Alterunterschied ziemlich krass. Andererseits würde sich bei einem Heteropaar niemand darüber Gedanken machen. Die Beziehung zwischen Laurie und Toby ist erstmal nur sexueller Natur. Man trifft sich, man unterhält sich ein wenig und sie haben Sex. Dabei lernt Toby immer mehr dazu und Laurie unterwirft sich dem jüngeren Mann Stück für Stück. Doch die Grenzen sind klar gezogen.

Allerdings gehen sie sich immer mehr unter die Haut. Toby ist sehr offen und optimistisch. Er hofft so sehr Laurie für sich gewinnen zu können. Ihm ist es egal, dass Laurie fast doppelt so alt ist. Doch Laurie verhält sich sehr ambivalent und sein innerer Kampf, wie auch seine widersprüchlichen Signale bringen immer wieder Probleme in die Beziehung. Nicht nur der Altersunterschied ist für Laurence ein Problem. Auch seine Vergangenheit spielt eine Rolle. Noch immer gibt es da Robert, der im Gegensatz zu Laurie jedoch längst ein neues Leben lebt. Laurence hat jedoch Angst sich Toby völlig zu öffnen und sich ihm ganz hinzugeben.

Doch auch Tobys Leben ist nicht einfach. Seine Mutter ist eine unkonventionelle Künstlerin und zu seinem Urgroßvater hat er eine enge Beziehung. Als dieser stirbt, verliert Toby den Boden unter den Füssen und alles um ihn herum bricht zusammen. Ausgerechnet jetzt stellt Laurence Fragen, mit denen Toby sich nicht beschäftigen kann oder mag. Ein Bruch scheint unvermeidlich ….

Unkonventionell und völlig anders als erwartet. Dieses Buch hat mich wirklich gefesselt; in seinen Bann gezogen. Die Beziehung zwischen Toby und Laurie – zwischen Dom und Sub – ist hier sehr komplex und vielschichtig. Die Protagonisten sind ebenfalls sehr komplex und im Laufe der Geschichte durchlaufen sie natürlich eine gewisse Entwicklung, die zu einem Happy End führt. Doch sie unterscheiden sich wohltuend von dem genreüblichen Klischees.

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