Das Monster des Prinzen – Savannah Lichtenwald

Philip ist ein Loser. Ein Opfer. Aber dazu wird er gemacht. Aus Dummheit, Unwissenheit, Aggression und durch einen nicht zu unterschätzenden Herdentrieb. Sein Peiniger David ist alles was Philip nicht ist. David ist der Prinz der Schule, der mit seinen Anhängern und Jüngern Philip das Leben zur Hölle macht. Philip ist ein Monster. Ausgeschlossen, isoliert, verfolgt. Und er ist schwul! Von seiner arglosen und erschreckend naiven Mutter hat Philip keine Hilfe zu erwarten. Kontakt zum Vater gibt es kaum. Schule, Lehrer und eigentliche Vertrauenspersonen versagen bei Philip auf ganzer Linie. Doch irgendwann ist die Schulzeit vorbei und Philips Peiniger verschwindet. Und doch bleibt Phil in einem Leben voll Angst, Vorsicht und Misstrauen zurück.

Während Philip nun seinen Weg in der Heimatstadt geht und versucht sich einzurichten, verschwindet David. Erst nach Holland, dann in die USA. In sechs Jahren wird er selbst die Hölle auf Erde erleben. Er wird sich selbst kennenlernen und sein Handeln als Kind und Jugendlicher begreifen. Auf dieser Reise begleitet ihn ein Bild von Philip, das er – scheinbar zufällig – in der Schule gefunden hat. Und es ist ausgerechnet Philip, der David diese Zeit irgendwie überstehen lässt. Doch als David zur in seiner Heimat ist, kann er sich nicht fangen. Drogen, Gewalt, Hoffnungslosigkeit und Arbeitslosigkeit sind ständige Begleiter. Eine Überdosis und ein sexueller Übergriff scheint das Ende zu bedeuten. Doch da ist etwas, das David – der nun längst mit seiner Existenz abgeschlossen hat – zu erledigen hat.

Das Monster des Prinzen ist ein sehr berührendes Buch, das mich trotz des Happy-Ends sehr betroffen und nachdenklich zurück lässt. Das liegt vielleicht daran, dass ich selbst einen introvierten Sohn habe, der in Phils Alter ist, als der Buch beginnt. Was habe ich nicht mit Philip mitgelitten und mitgezittert. Wie sehr habe ich mir für ihn eine verantwortungsvolle und auch tatkräftige Vertrauensperson gewünscht. Obwohl Philip scheinbar das schwächste Glied in dieser Geschichte ist, so geht er doch als gestärkt aus all den Jahren hervor.

David mag man nicht. Man verabscheut dieses Kind … diesen Jungen, der seine Clique eleoquent führt und Philip als Opfer herausgesucht hat. Allerdings gönnt man ihn seinen eigenen Weg nicht. Das was David in den sechs Jahren widerfährt, wünscht man niemanden. Auch wenn es durchaus Realität ist. Auf seiner Reise ins Erwachsenenleben nimmt David alles mit, das sich ihm bietet. Dabei macht er wie alle Fehler und muss sich mit den harten Konsequenzen auseinandersetzen. Sein Leben scheint sich im freien Fall zu befinden und irgendwann gibt es für David nur noch die ‘Erlösung’ von seinem aus Selbsthass bestimmten Leben.

Die Geschichte von David und Philip wird immer abwechselnd aus der jeweiligen Sichtweise erzählt. Erst fand ich den Stil etwas gewöhnungsbedürftig, doch dann fand ich mit dieser Erzählweise besser in die Gefühlswelt der Protagonisten hinein. Die Helden anderer von mir gelesener Bücher hatten auch eine schwierige Jugend und viel zu bewältigen. Doch da Savannah Lichtenwald die Entwicklung von David und Philip schon so früh und intensiv beschreibt, lässt einem diese Geschichte noch beklommener und phasenweise auch verstört zurück.

Doch die Autorin schafft es das Leben ihrer Helden wieder ‘gut’ zu machen. Dabei lässt sie ihnen viel Zeit sich zu entwickeln, sich neu kennenzulernen und sich ihren Gefühlen zu stellen. Ihr gemeinsamer Weg ist gewiss nicht einfach, aber sie lernen sich zu vertrauen und irgendwann auch ihre Liebe zuzugeben. Allerdings ist das nicht das Ende. Denn selbst als Paar müssen Philip und David sich unangenehmen Dingen stellen, die durchaus Realität sind.

Für dieses Buch gibt es von mir eine volle Leseempfehlung. Jedoch sollte man sich bewusst sein, dass man bei diesem Buch keine locker-flockig Lektüre ist, die vor Romantik und Heile-Welt nur so trieft.

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