Defined By Deceit – A.E. Via

Acht Jahre verbringt Llewellyn Gardner im Gefängnis. Ein einziger Satz hat ihn seine Jugend, seine Träume, sein Leben gekostet. Als Kindervergewaltiger lebt man im Gefängnis normalerweise nicht lange, doch Llew hat Glück im Unglück. Da gibt es den charismatischen ACE, der ihn unter seinen Schutz stellt. Doch acht Jahre im Gefängnis hinterlassen bei dem sensiblen und talentierten Llewellyn Spuren und als er endlich vorzeitig entlassen wird, beginnt ein neuerlicher Spießrutenlauf. In seiner Heimatstadt wird er gemieden und gemobbt. So bleibt Llewellyn nur die Flucht in eine neue Stadt.

Doch Sexstraftäter kommen in ein Register und auch im nächsten Ort sieht er sich mit seinem Ruf und seinem Gefängnisaufenthalt konfrontiert. Die Menschen haben Angst und wollen ihn loswerden. Einzig seine Vermieterin und sein neuer Arbeitgeber – Shane – lassen sich von der allgemeinen Hysterie nicht anstecken. Sie erkennen, dass mehr in dem scheuen und schweigsamen Llewellyn steckt. Vor allem Shane ist von der ersten Begegnung an von Llewellyn fasziniert. Obwohl er von den Enthüllungen über Llew erst geschockt ist, bleibt er an Llewellyn dran und versucht ihn besser kennenzulernen. Doch auch wenn er sich zu Shane hingezogen fühlt und Sehnsüchte hat, so trägt Llew viele Probleme mit sich herum. Panikattacken, Ängste und auch noch die Folgen des eigenen Missbrauchs im Knast.

Defined by Deceit ist ein sehr intensives und aufwühlendes Buch. Die Autorin beschreibt das verkorkste Leben eines vermeintlichen Sexualstraftäters, der unschuldig und durch Meineid ins Gefängnis gekommen ist. Dort erlebt der junge und sensible Mann die Hölle auf Erde und wird selbst Opfer. Dass er überlebt und auch noch bei Verstand bleibt, das grenzt an ein Wunder. A.E. Via hat zwar die Tendenz sehr cozy zu schreiben und vieles viel zu schlicht aufzulösen, doch bei diesem Buch geht sie wirklich an die Grenzen. Man lebt mit Llew diese Angstzustände mit, weint um all die Möglichkeiten um die er gebracht wurde. Verzweifelt mit seinem Bruder, der immer an ihm geglaubt hat, ihm aber nicht helfen kann.

Ich muss gestehen, dass ich die ersten Kapitel teilweise quer gelesen habe. Es war mir einfach zuviel. Zu intensiv. Zu hart. Llewellyn wird nicht nur von seinem Freund betrogen, sondern auch noch der Vergewaltigung bezichtigt. Doch auch wenn Llew wirklich durch die Hölle gegangen ist, so steigt er wie ein Phoenix aus der Asche. Seine Entwicklung ist wirklich bemerkenswert und es gibt dann zwei besondere Stelle im Buch, wo er mich extrem beeindruckt hat. An Vergebung ist er nicht interessiert, doch dann gibt es die Gelegenheit der Rache und Llew lässt sie verstreichen. Denn in diesem Moment erlebt sein früherer Freund Moss die volle Härte des Gesetzes und Llew weiss, dass Moss in diesem Moment alles verloren hat. So wie Llew acht Jahre zuvor.

Ein großes Buch, das jedoch nichts mit der leichten und humorvollen Unterhaltung der ‚Nothing Special‘ Reihe gemein hat.

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