Rattlesnake – Kim Fielding

Rattlesnake war eigentlich nie Ziel des Landstreichers Jimmy. Doch die Umstände führen ihn in den verschlafenen Ort und direkt zu Shane Little. Zu dem Mann, für den eine Nachricht seines verstorbenen Vaters im Gepäck hat. Jimmy hat so eine Ahnung, dass Shane keinen Wert auf den Brief legt und Shane ist sehr freundlich zu ihm, während der Rest des Ortes eher abwartend und misstrauisch reagiert. Doch Shane besorgt Jimmy – dessen Auto in Rattlesnake seinen letzten Seufzer getan hat – eine Unterkunft und einen temporären Job als Hausmeister.

Jimmy ist überwältigt, aber nicht undankbar. Auch wenn ihn das Ganze etwas überwältigt. Doch Jimmy ist auch kein junger Mann und er spürt das Alter und das Leben auf der Straße. Was kann es also schaden ein paar Tage in Rattlesnake zu verbringen, sich mit kleinen Arbeiten etwas Geld zu verdienen und nicht auf der Straße schlafen zu müssen? Und der Barmann Shane scheint auch noch ein sehr angenehmer Zeitgenosse zu sein, der sein Interesse an Jimmy erst gar nicht verbirgt.

Shane kämpft noch immer mit den Folgen eines Autounfalls, der ihm fast das Leben gekostet hat. Zehn Jahre ist das nun her und auch er ist längst nicht mehr in der Blüte seiner Jugend. Seine Möglichkeiten in Rattlesnake sind überschaubar und Jimmy findet er interessant. Und mit jeder Begegnung und mit jedem Gespräch wächst das Interesse, aber auch die Sehnsucht. Aber Shane weiß, dass Jimmy irgendwann gehen wird.

Die Geschichte wird sehr ruhig erzählt, auch wenn es nicht an Drama, Humor und Romantik mangelt. Jimmy, wie auch Shane sind nicht mehr jung und sie haben bereits ein Leben voller Verluste, Schwierigkeiten und Erfahrungen hinter sich gebracht. Beide betrachten sich als zerbrochen und geringwertig. Dabei ist Shane ein ganz wunderbarer Mann mit einem großen Herzen und viel Empathie. Doch eine Schuld lastet schwer.

Und auch Jimmy trägt viel mit sich herum. Aus einem desolaten Elternhaus kommend, hat er früh für sich selbst einstehen müssen und ist immer schon ein Einzelgänger gewesen. Die große, liebende Familie und Gemeinde, die Shane im Rücken hat, macht Jimmy etwas Angst. Doch er sehnt sich instinktiv auch nach so einer Geborgenheit.

Kim Fielding macht es dem Leser nicht leicht. Und die Helden sind deutlich geduldiger als ich selbst es war. Shane und Jimmy drängen sich gegenseitig nicht mit ihrer Geschichte herauszurückend, während man als Leser ständig unter Spannung steht und die Geheimnisse lüften möchte. Ganz zufriedenstellend war es für mich nicht, aber an sich war das Buch sehr stimmig und ich fand es wundervoll zu lesen, wie diese zwei zerbrochenen Kreaturen sich gefunden und gemeinsam zu heilen begonnen haben. Sehr empfehlenswert.

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