Whisper – Garrett Leigh

Harry wird von seinem Bruder aufs Land geschickt. Dort soll er sich etwas erholen, gleichzeitig aber endlich sein Buch schreiben. Harry ist Physiotherapist, betreibt einen sehr erfolgreichen Blog und hat nun eben einen Buchkontrakt zu erfüllen. Zu dumm nur, dass immer alles andere wichtiger ist und ihm auch die Muse abhanden gekommen ist. Auf dem Land sollte es doch entsprechend ruhig sein, damit Harry endlich sein Ding durchzieht.

Harrys Gastgeber ist der Farmer Joe. Bei ihm ist das Geld knapp und die Farm, auf der er misshandelte und ausgesetzte Pferde betreut, ist immer klamm. Also soll sich über den Sommer ein Hausgast bei ihm einnisten und das Geld kann die Familie gut brauchen. Harry ist jedoch eine unwillkommene Ablenkung für Joe, der wirklich genug eigene Sorgen und Probleme hat. Nicht nur, dass die Farm eben ständig in Geldnöten steckt, so macht Harry sich Sorgen um seine Schwester und dann gibt es auch noch ihren nichtsnutzigen Vater, der ein ortsbekannter Alkoholiker ist und für Joe eine weitere Last bedeutet.

Whisper kann als Stand Alone gelesen werden, ist jedoch der zweite Teil der Skin-Reihe. Hier zeigt sich die Vielschichtigkeit und auch das Talent von Garrett Leigh. Wieder handelt es sich um zwei Männer, die mit vielen Schwierigkeiten zu hadern haben. Sei es nun in der Gegenwart, oder die Schatten der Vergangenheit, die eben auch ihre aktuelle Lebenssituation beeinflussen.

Joe und Harry sind durchaus interessiert aneinander. Doch ihre Leben sind doch sehr grundverschieden. Und sie haben beide das Problem nur schwer zu vertrauen. Bei ihrer Vergangenheit ist das auch absolut nachvollziehbar. Doch sie ergänzen sich auch und sie tun einander gut. Je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto tiefer wird ihre Verbindung und Freundschaft. Langsam schleicht sich auch noch mehr in diese komplexe Beziehung, doch beide Männer bleiben vorsichtig.

Teilweise war es ein wenig zäh – muss ich gestehen. Doch grundsätzlich hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Denn beide Charaktere sind sehr gut beschrieben und erzählt. Man kann sich gut in ihre Sorgen, Nöte und auch Sehnsüchte hineinversetzen. Die Geschichte selbst wird sehr schlüssig und verständlich erzählt. Drama kommt dabei nicht zu kurz, doch keines davon ist künstlich herbeigeführt.

Sehr ansprechende und tiefgreifende Fortsetzung dieser Reihe, bei der es auch kurze Wiedersehens-Momente mit Protagonisten anderer Geschichten dieser Autorin gibt.